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Leben und Wirken von Dr. Antonie Kraut (1905-2002)

Forschungsprojekt zwischen Oktober 2016 und Juni 2018 im Auftrag der Evangelischen Heimstiftung Stuttgart (EHS)

Ein Beitrag von Dr. Teresa Kaya

 

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Stuttgart ein Mädchen namens Antonie Kraut als fünftes Kind in eine wohlsituierte Juristenfamilie geboren. Das langersehnte Nesthäkchen wuchs in turbulenten Zeiten auf. Sie sollte zwei Weltkriege über- und erleben, wurde Zeugin der Abschaffung der Monarchie und Neuordnung Deutschlands in eine parlamentarische Demokratie, des Dritten Reichs sowie der Kapitulation des Hitler-Regimes und schließlich des Neuaufbau Deutschlands in eine Bundesrepublik. Geprägt vom tiefen Glauben und aktiven Engagement in Kirche und Politik ihres Elternhauses nahm Antonie Kraut sowohl als hauptamtliche wie auch ehrenamtliche Akteurin zahlreiche Aufgaben im Kontext der württembergischen Landeskirche wahr. Dadurch erlebte sie die turbulenten Identitätskrisen der evangelischen Kirche und mit ihr der Diakonie hautnah mit. Mit ihrer Persönlichkeit nahm sie konkreten – und nachhaltigen – Einfluss auf die kirchlichen und diakonischen Einrichtungen, in denen sie wirkte, so beispielsweise auf das Diakonische Werk Württemberg (DWW) oder auch die Evangelische Heimstiftung (EHS), deren (Mit-)Gründerin sie war. Antonie Kraut hatte zweifelsohne nicht nur ein bewegtes, sondern auch ein bewegendes Leben. Erstmalig entstand nun eine biografische Studie, die Frau Dr. Antonie Kraut als Führungs- und Privatperson ergründet und Entwicklungen, die zur Gründung der Evangelischen Heimstiftung geführt haben, nachzeichnet. Die Beständigkeit und Verbundenheit Antonie Krauts mit der württembergischen Landeskirche und den diakonischen Institutionen sowie ihre Leidenschaft für das Sozialrecht zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Ganze 26 Jahre hatte Antonie Kraut die Position als Geschäftsführerin zunächst im LVIM und schließlich im Diakonischen Werk Württemberg zwischen 1945 bis 1971 inne und sogar 33 Jahre lang war sie ehrenamtlich im Vorstand der EHS tätig. Antonie wirkte maßgeblich an der sozialen Gestaltung des Staates mit, beispielsweise durch das Verfassen von Stellungnahmen zum Bundessozialhilfegesetz, die in diversen Ausschüssen auf Landes- und Bundesebene vorgelegt wurden. In der Alltagspraxis diakonischen Handelns standen alle Hilfebedürftigen in ihrem Fokus: alte Menschen, kranke Menschen, Menschen mit Behinderung(en). Auf ihr Engagement hin wurde die Eigenverantwortung der Heimbewohner in Alteneinrichtungen maßgeblich gestärkt und Qualitätsverbesserungen durchgeführt, beispielsweise führte sie Einzelzimmer mit eigenem Bad und die Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Menüs ein. Außerdem entstanden unter ihrer Federführung Fachkliniken für drogenabhängige Menschen sowie spezielle Hilfsprogramme für Menschen mit Behinderungen. Antonie Krauts „Wirken hat Fundamente gelegt für die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Sozialstaat und freier Wohlfahrtspflege.“ Nicht nur für ihre Wegbegleiter war Antonie eine beeindruckende Persönlichkeit. Bis heute lassen sich ihre Spuren zurückverfolgen und im Geiste der Organisationskultur der EHS wiederentdecken. Ganz nach dem Motto „Wurzeln spüren – Neues wagen“ leben Antonie Krauts Ideen in der EHS weiter. Entstanden ist ein zweiteiliges Buch, das zunächst den Fokus auf den Lebensweg Antonie Krauts legt und anschließend die Brücke zur Gegenwart zieht. Dr. Krauts selbstgewähltes Motto „Helfen, wo geholfen werden muss“ hat sowohl ihr Leben als auch die Organisation EHS tief geprägt und angeleitet.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 22.10.2018
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