MARTIN KALUSCHE, "Das Schloß an der Grenze"

Dws10auflage2tnBand 10: MARTIN KALUSCHE, "Das Schloß an der Grenze". Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische
Stetten i. R.,

1. Auflage von 1997 in der Reihe "Diakoniewissenschaftliche Studien" ist vergriffen

2. Auflage 2011 ▫ 520 S. ▫ 38,00 €
Erschienen bei Martin Kalusche in Hamburg
ISBN 978-3-00-035666-7
 





»Das Schloß an der Grenze« nannten sie es jetzt dort. An der Grenze zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Recht und Unrecht, zwischen Leben und Tod… In kritischer Auseinan-dersetzung mit einem idealisierenden Geschichtsbild stellt der Autor auf der Basis einer außergewöhnlich guten Quellenlage die Frage nach Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Anstalt Stetten und beantwortet sie in drei Schritten.
Teil 1 der Studie gilt dem Alltag im Dritten Reich, wobei deutlich wird, dass sich die württembergische Einrichtung der Inneren Mission als integraler Bestandteil der NS-Volksgemeinschaft verstand. Der Schwerpunkt der Arbeit (Teil 2) liegt auf den nationalsozialistischen Verbrechen an Menschen mit Behinderungen in der Heil- und Pflege-anstalt. Während die Zwangssterilisierung mit tatkräftiger Unterstützung durch die Leitung vollzogen wurde, traf die »Vernichtung lebensunwerten Lebens« auf nicht gerin-gen Widerstand. Dennoch wurden im Herbst 1940 323 Menschen mit Behinderungen Opfer der NS-Euthanasie in Grafeneck, die Anstalt selbst wurde beschlagnahmt. Weitere 11 ehemalige Heimbewohner wurden in den folgenden Jahren in Hadamar ermordet; unbekannt ist die Zahl der Menschen, die darüber hinaus der »dezentralen Euthanasie« zum Opfer fielen. Teil 3 versteht sich als ausführlicher Beitrag zur historischen Urteils-bildung. In ihm wird eingehend die Frage nach Widerstand und Schuld diskutiert, eine forschungsgeschichtlich bedeutende Schrift Ludwig Schlaichs aus dem Jahr 1947 ge-würdigt sowie schließlich der Bogen zu bioethischen Herausforderungen der Gegenwart gespannt.
Über die regionalgeschichtliche Bedeutung für Diakonie und Kirche in Württemberg hinaus kommt dem »Schloß an der Grenze« eine Schlüsselrolle zu für das Verständnis der deutschen Inneren Mission im Nationalsozialismus.

 


Zum Autor: Pastor Dr. Martin Kalusche, Dipl.-Sozialwirt (FH) M. A., Heilpraktiker für Psychotherapie. Geboren 1960 in Wuppertal, Studium der Evang. Theologie in Wuppertal und Heidelberg, der Diakoniewissenschaft in Heidelberg, des Sozialmanagements in Münster/W. und (hospitierend) der Psychologie in Hagen. 1997 Promotion am Diakoniewissenschaftlichen Institut der Universität Heidelberg. 1987.1990 Vikariat in Stuttgart, 2007 Ordination zum Pastor der Nordelbischen Evang.-Luth. Kirche. 1990-97 Tätigkeit in der Diakonie Stetten, 1997 Management von Organisationen der Sozialen Arbeit, seit 2011 freiberufliche Tätigkeit in eigener Praxis für Beratung, Psychotherapie (HPG) und Coaching in Hamburg.

Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 22.03.2015
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