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Symposium "Zukunft konfessioneller Krankenhäuser"

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Der Umbruch der deutschen Krankenhauslandschaft macht auch vor christlichen Krankenhäusern nicht Halt: Erste Kliniken mussten bereits schließen, viele Häuser klagen über ärztlichen oder pflegerischen Nachwuchsmangel, das DRG-Vergütungssystem führt zu einem erheblichen Wettbewerbsdruck und trotz hoher Verbundtendenzen gelingt nicht jeder Zusammenschluss. Zugleich beschleunigt sich der technologische Wandel und die ethischen Problemfelder nehmen zu. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, was ein Krankenhaus zu einem christlichen Krankenhaus macht, hoch aktuell.

Wie und ob konfessionelle Krankenhäuser sich mit einem spezifisch christlichen Profil im Wettbewerb behaupten können, stand daher im Mittelpunkt des ersten wissenschaftlichen Symposiums zur „Zukunft konfessioneller Krankenhäuser“, das am 10. und 11. März 2011 an der Universität Heidelberg stattfand und vom Diakoniewissenschaftlichen Institut, der Arbeitsstelle Caritaswissenschaft und Christliche Sozialarbeit und Karsten Wolkenhauer ausgerichtet wurde. Namhafte Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutierten gemeinsam mit Vorständen und Geschäftsführungen konfessioneller Krankenhäuser die strategischen Herausforderungen, die sich aus dem tief greifenden Wandel des Gesundheitssystems ergeben.

Welche Strategien wählen konfessionelle Krankenhäuser? Unterscheidet sich ihre Strategiewahl von der anderer Träger, hat mithin ihre Wertorientierung einen Einfluss auf die gewählte Strategie? Professor Dr. Bernd Helmig (Universität Mannheim) stellte zu diesen Fragen die Ergebnisse einer Studie zur „Strategischen Positionierung konfessioneller Krankenhäuser“ vor, die lebhaft diskutiert wurden. Dass es dabei allerdings keine wahrnehmungsrelevante Trägerdimension „Christlichkeit“ gibt, die spezifisch für ein konfessionelles Krankenhaus ist, diese lediglich als vertrauenswürdiger und „wärmer“, zugleich aber als weniger kompetent als private Anbieter wahrgenommen werden, war das Ergebnis einer experimentellen Untersuchung, das Professor Dr. Dieter K. Tscheulin (Universität Freiburg) präsentierte.

Dr. Martin von Hören (Kienbaum Management Consultants, Gummersbach) führte auf der Basis von Marktdaten zur Höhe und Struktur ärztlicher und nicht-ärztlicher Führungskräfte aus der Kienbaum-Vergütungsstudie vor, wie die Vergütung als Führungs- und Steuerungsinstrument auch in Krankenhäusern genutzt werden kann. Tief in den Marketing-Baukasten griff Professor Dr. Fokko ter Haseborg (Albertinen-Diakoniewerk Hamburg), der in der Konfessionalität den unterscheidenden Faktor bei der Positionierung einer Krankenhaus-Marke erblickte, die durch Faktoren wie Corporate Design, Geschichte, geistliche Angebote, Personalpolitik und Unternehmensstrategie weiter aufgeladen werden müsse. Am Beispiel des Albertinen-Diakoniewerks führte er eindrücklich vor Augen, was bei der Etablierung einer Dachmarke zu berücksichtigen ist.

„Zukünftige Potenziale im konfessionellen Krankenhaus“ nahm Professor Dr. Volker Penter (KPMG, Berlin) in den Blick. Untermauert mit einer Vielzahl einschlägiger Kennzahlen machte er im Vergleich der Vermögens- und Ertragslage konfessioneller Häuser relativ zu den Top 25 der Branche einen erheblichen Verbesserungsbedarf aus und zeigte zudem Chancen auf, die sich durch die Bevölkerungsentwicklung, durch eine bessere Vernetzung und weitergehende Prozessoptimierung gerade auch für konfessionelle Krankenhäuser ergeben.

Nach einer gemeinsam von Professor Dr. Klaus Baumann (Freiburg) und Professor Dr. Johannes Eurich geleiteten Andacht diskutierten am Freitagmorgen Professor Dr. Michael Karaus (Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende) und Dr. Jörg Blattmann (Johanniter GmbH, Berlin) mit den 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern „Qualitätskennzahlen im Gesundheitswesen aus konfessioneller Perspektive“.

Den ganzen Tag über vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sechs Foren mit ausgewiesenen Experten einzelne Fragestellungen. Rechtliche Herausforderungen konfessioneller Krankenhäuser, aktuelle Anforderungen an deren Aufsichtsgremien und Erfolgsfaktoren bei Fusionen und Kooperationen standen dabei ebenso im Fokus wie Strategien im Umgang mit dem sich abzeichnenden Personalmangel, das Potenzial von Spiritualität als Alleinstellungsmerkmal oder die Leitbilder christlicher Krankenhäuser. Eine Podiumsdiskussion zur Frage „Handelt unethisch, wer mit Werten kein Geld verdient?“ bildete den inhaltlichen Abschluss des Symposiums.

In spätestens zwei Jahren soll angesichts des Erfolgs und des großen Interesses an dieser Auftaktveranstaltung ein weiteres Symposium zur „Zukunft konfessioneller Krankenhäuser“ stattfinden. Am Rande der Veranstaltung wurde dazu die „Deutsche Stiftung christlicher Krankenhäuser“ (desck) gegründet, die zukünftig als Forum dienen soll, um Experten aus Wissenschaft und Praxis besser zu vernetzen.

Dietmar Becker

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Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 25.03.2014
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