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Zukünftige Herausforderungen in der Pflege alter Menschen

(Video von Raphael B. Ebler, RBE MEDIA (http://www.rbe-media.com))

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anlässlich ihres 150jährigen Jubiläums veranstaltete die Evang. Stadtmission Heidelberg gemeinsam mit dem DWI am Freitag den 19.10. ein Symposium mit dem Titel “Altenhilfe – Quo Vadis”, das sich mit den Veränderungen und Herausforderungen im Altenpflege-Sektor auseinandersetzte. Wie wird sich angesichts der demographischen Entwicklungen, angesichts der Veränderung von Familienstrukturen und angesichts der zu erwartenden Überforderung der Sozialversicherungen in Zukunft die Pflege älterer Menschen gestalten.


Die Frage was Alter denn überhaupt sei, stellte Prof. Dr. Dr. Andreas Kruse, der Leiter des Gerontologischen Instituts der Universität Heidelberg, in seinem Vortrag als erstes in der Raum. Ab wann ist ein Mensch alt? Wie definieren wir Alter. Das Altern beginnt eigentlich mit dem ersten Lebenstag und endet mit dem Tod, der Teil dieses Prozesses ist.

Prof. Dr. Kruse

Kruse warnte davor, Alter allein defizitär zu definieren. Viele Menschen haben nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben mit ihren Kompetenzen und ihrer Schaffenskraft Wichtiges zur Gesellschaft beizutragen. Im höheren Alter dann ist die zunehmende körperliche und seelische Verletzlichkeit bestimmend für den Umgang. Gleichwohl geht es auch in diesem Lebensabschnitt um die achtsame Weiterentwicklung der Lebensumstände.

Welche Wohnformen in Zukunft die richtigen sind, lässt sich nicht allgemeingültig sagen. Die Pflege zu Hause wird weiter einen wichtigen Beitrag leisten. Aktuell sind es immer noch ¾ aller Menschen, die von Angehörigen betreut werden. Heime werden wichtig bleiben. Wenn Familienstrukturen sich aber verändern, viele Menschen als Singles leben, Großeltern an anderen Orten wohnen, werden nachbarschaftliche Systeme, Menschen die im Quartier bewusst füreinander Verantwortung übernehmen, an Bedeutung gewinnen. Dieses Engagement sei auch ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Demokratie, sagte Kruse.

Neuen Modellen in der Pflege muss aber auch eine neue Finanzierung entsprechen. Die Pflegeversicherung wird absehbar die Finanzierung der Altenhilfe nach bisherigem Modell nicht mehr leisten können. Kruse plädierte dafür, die Leistungen nicht mehr an Einzelne zu zahlen, sondern die Kommunen einzuschalten und diese mit den Geldern zu ermächtigen, sozial und gesellschaftlich gerechte Rahmenbedingungen für die Betreuung und Pflege alter Menschen zu schaffen. Kruse sieht die Gefahr, dass zukünftig immer mehr ältere Menschen in eine Armutsspirale fallen könnten, wenn die Privatisierung der Pflegevorsorge ausgebaut und staatliche Leistungen stattdessen abgebaut würden.

In der anschließenden Podiumsdiskussion nahm Bürgermeister Dr. Gerner den Ball auf und trug die aktuellen Zahlen der demographischen Entwicklung in Heidelberg bei. Er betonte, dass Heidelberg mit dem flächendeckenden Angebot an Seniorenzentren ein positives Beispiel im Bereich der Altenbetreuung sei. Die Seniorenzentren würden zudem immer mehr zu breitgefächerten Service- und Informationszentren für alte Menschen umstrukturiert. In der Bahnstadt entstehe zudem zurzeit ein neuartiges Inklusionsprojekt, in dem beispielhaft Menschen Verantwortung füreinander übernehmen.

Sowohl Heidi Farrenkopf, Leiterin der Altenpflege der Evang. Stadtmission als auch Birgit Duske, Leiterin der Altenpflegeschule in der Akademie für Gesundheitsberufe erklärten, dass durch einseitige Berichterstattung in den Medien ein oft verheerendes Bild der stationären Altenpflege vermittelt wird. Die Berichte über schwarze Schafe der Branche sorgten großflächig für Misstrauen gegenüber Altenheimen. Es wird nicht wahrgenommen, mit wie viel Engagement, Kompetenz und Phantasie man sich hier um Menschen kümmere. Dies gilt gerade auch für die Betreuung von Menschen mit Demenz. Prof. Kruse wies schon in seinem Vortrag darauf hin, dass man immer besser lerne, Menschen mit Demenz zu verstehen. Für sie gilt das Gleiche, was für alle Menschen gilt. Wenn sie das Gefühl haben, etwas weiter geben zu können, einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten zu können, verringert sich signifikant die Häufigkeit aggressiven Verhaltens.

Prof. Dr. Eurich und Podium
 

Auf die Frage von Prof. Johannes Eurich, Leiter des Diakoniewissenschaftlichen Instituts, der die Veranstaltung moderierte, danach, was denn der spezifische Beitrag einer christlich orientierten Einrichtung sei, erzählte Frau Helga Raschke von den Erfahrungen, die sie selbst mit ihrer Mutter in einer Einrichtung der Stadtmission machte, bevor diese dort mit 102 Jahren verstarb. Die ganzheitliche Wahrnehmung des Menschen mit Körper, Seele und Geist ist wohltuend. Dieser Gedanke führte zurück zu den Ausführungen Kruses, der die Veranstaltung mit Überlegungen zum Menschenbild, das uns leitet, begann.

Die Schülerband „Blu Diversity“ der Stephen-Hawking-Schule umrahmte den Abend musikalisch, der mit gemeinsamem Gespräch ausklang.

 
Seitenbearbeiter: E-Mail
Letzte Änderung: 27.04.2016
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